Ausbeutung im Taxi: München

13. Juli 2019 von Redaktion

Dieser Artikel ist der erste einer kleinen Serie über brutale Ausbeutung im Taxi. Wir berichten vom Schicksal eines Münchner Kollegen und vergleichen mit unseren eigenen Erfahrungen.

Frauenkirche München vor Alpen am Horizont

Im Blog von AG-TAXI.DE erscheint vom Sonntag, den 21.7.2019 bis Donnerstag, den 25.7.2019 eine Serie über Ausbeutung im Taxigewerbe.

Artikel:
1. Tod in Berlin (Sonntag, 21.7.2019)
Bevor wir uns auf die Reise nach München machen, erinnern wir an unseren
Berliner Kollegen Micha, der am Steuer seines Taxis elendig verreckt ist.

2. There’s No Business Like Taxi Business
Im Taxi geht es zu wie im Show Business aber ohne Stars.

Im Zentrum der Serie steht der Münchner Kollegen Wolf S., der seine Firma auf Lohnfortzahlung bei Krankheit, die Bezahlung geleisteter Arbeitsstunden und Schadensersatz verklagt. Sein Boss hatte ihn derart unter Druck gesetzt, dass er sich beinahe zu Tode gearbeitet hat. Als er sich krank meldete wurde er entlassen. Er ist nicht der einzige, dem es so oder schlimmer geht.

Wir gehen gemeinsam mit Wolf S. zum Gericht und erzählen, wie das ausgeht. Vor dem Gesetz sind angeblich alle gleich. Könnte Wolf S. als Gewerkschaftsmitglied mehr erreichen?

Vorher klären wir Hintergründe und beleuchten die unbekannten Seiten eines Traditionsberufs, der keiner sein darf.

  • Was hält Taxifahrerinnen und -fahrer davon ab, sich gegenseitig zu unterstützen?
  • Weshalb gibt es kaum Gewerkschaftsmitglieder in dieser Branche, und zwar von Anfang an?
  • Wieso sinken Umsätze und Löhne im Taxi seit Jahrzehnten?
  • Wir sprechen mit Anwälten über die Durchsetzung von Arbeitnehmerrechten im Zeitalter des Prekariats.
  • Wir beschreiben die Änderungen für Fahrerinnen und Fahrer durch Uber und andere Vermittlungsplattformen.

Es geht um die häßlichen Seiten einer beliebten Dienstleistung.

Es wird Blut fießen [1].

Anmerkung des Autors

Wie allen Interessierten aufgefallen ist, verzögert sich die Veröffentlichung der Artikel. Das ist einerseits schade, tut der Sache aber keinen Abbruch. Zum Einen wird Aktualität der Geschichten durch zeitlichen Abstand leider nicht geringer. Die Verhältnisse werden nicht besser.

Vor allem erleben wir jedoch alle Probleme und Fragen, die eine einigermaßen gehaltvolle Betrachtung des Themas aufwirft. Wir arbeiten mit einfachsten Mitteln, ohne Hotelübernachtung in der Sommerhitze und sehen bereits im Vorfeld der Veröffentlichung, daß allein die Anspielung auf Brutaliät und Dimension der Ausbeutund im Taxigewerbe Verständnislosigkeit und Widerstände auch bei den menschlich Gesonnensten auslöst.

Am größten jedoch ist die Überraschung darüber, wie sehr Arbeit des Schreibens zur Verarbeitung von Empathie und Selbstreflexion wird. Das eigene Leben spiegelt sich in den Protagonisten der Reportage und Erzählung, und fordert Zeit für Selbsteflexion und Diskussionen. Ihre Ergebnisse erweitern das Ausgangskonzept, das bei gleich bleibenden Themen eine neue, menschlichere Qualität erhält.


Logo und Illustration: Reinald Kirchner, Frauenkirche in München, Lizenz CC by sa https://www.flickr.com/photos/rkirchne/ https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Frauenkirche_in_M%C3%BCnchen.jpg

[1Bei der ursprünglichen kapitalistischen Akkumulation wird der Mensch direkt ausgebeutet, ohne Meta- oder Zwischenebenen. Brutale Sklavenhalter und Fabrikvorarbeiter im Manchester des 19. Jahrhunderts kennen wir. In neuerer Zeit waren Drückerkolonnen Thema in der Medien. Nun ist die Taxibranche an dem Punkt, wo Menschen derart unter Druck gesetzt werden, dass ihr Blut fließt. Wortwörtlich.

Paul Thomas Anderson beschreibt die menschliche Seite der ursprünglichen kapitalistischen Akkumulation im Film There Will Be Blood (2007) am Beispiel der jungen Erdölindusttie in den USA. Vor der Industrialisierung der Erdölextraktion wurde jeder Tropfen Öl unmittelbar mit einem Tropfen vergossenen menschlichen Bluts bezahlt.