Taxifahren in Corona-Zeiten

23. Juli 2020 von Redaktion

Ein Kollege berichtet von seinen Erfahrungen und Fragen, die sich stellen, seit er wieder arbeitet. Wie geht es weiter? Der Name des Autors ist der Redaktion bekannt.

Nach mehreren Monaten nahezu vollständiger Corona-Pause in Kurzarbeit soll ich wieder regelmäßig auf die Straße. Was liegt da näher, als mich über aktuelle Entwicklungen im Taxigewerbe zu informieren ? Bei der Suche im Internet bin ich auf einen -freundlich ausgedrückt- sehr selbstbewußten Newsletter unseres Berliner Zentralenfürsten Hermann Waldner gestoßen. Er scheint sich ja mächtig dafür ins Zeug zu legen, dass das Taxigewerbe die Coronazeit übersteht, wenn man seinen Worten Glauben schenken darf.

Hier kann wer will den Newsletter im WWW lesen.

Einige Punkte machen mich leider eher ratlos.

Taxibetrieben wird ermöglicht, unbürokratisch von den alten auf aufgekauften Funkgesellschaften basierenden Tarifen zu einem "Flex-Tarif" zu wechseln. Die Zentrale bietet ihren Vermittlungskunden vermutlich eine reduzierte Grundgebühr kombiniert mit höheren Preise pro vermitteltem Auftrag an. Was es genau damit auf sich hat, sollten auch angestellte Fahrerinnen und Fahrer erfahren.

Weiterhin erschliesst sich nicht, wer da welche Aufträge bekommt. Wie werden die Aufträge verteilt, die über die Rufnummern der ehemals selbständigen Funmkzentralem eingehen ? Es gibt ja immer noch "Flotten" mit den alten Funkbezeichnugen und die Telefonnummern sind alle noch geschaltet. Gibt es Gleichheit wenigstens bei dern neuen Nummern/Zugängen und per App.... Als Arbeitnehmer könnte es mir eigentlich egal sein, aber "aus Sicht der Straße" ist es undurchschaubar, wer warum von der Halte losfährt, auf Kommando eines Algorithmus diagital geregelt.

Zum Gefühl, bei der Auftragesvergabe gerecht behandelt zu werden, trägt das leider nicht bei. Wieso gibt es bei Taxi Berlin keine für alle gleiche Neustrukturierung, auch wenn die alten Rufnummern zur Kundenbindung noch eine Weile geschaltete bleiben ? Es gibt doch nur noch ein einziges Callcenter. Der Vermittlungsaufwand ist der selbe, egal welche Nummer jemand anruft!

Für Taxis und FahrerInnen gibt es neue Merkmale bei der Auftragsvermittlung. Das Merkmal "safe Taxi", das Waldner per App bewirbt, lese ich zum ersten mal. Ich arbeitete an den wenigen Einsatztagen in der Coronazeit "mit Trennschutz", (unvollständige Plexiglaswand) was in den Profilmerkmalen und auch den Aufträgen so drin steht.. Gibt es da schon wieder zwei Kategorien ? Muss ein "safe taxt" noch mehr haben, etwa die Corona-Warn-App; obwohl die doch freiwillig ist und ihre Freischaltung ArbeitnehmerInnen nicht aufgezwungen werden darf ?

Es werden Einkaufsfahrten beworben, für Leute, die zur Zeit ihre Wohnung nicht verlassen dürfen oder wollen. Grundsätzlich finde ich das O.K., aber manches ist grenzwertig.

So gibt es, wie Herr Waldner sagt, Apothekenfahrten in die Quarantäne ... bezahlt wird also per App/Taxi-Eu-Payment von Handy zu Handy durch die geschlossene Wohnungstür. Gut, wenn es klappt. Ansonsten wandert vermutlich ein Geldschein im Umschlag durch den Briefschlitz ... der samt eigenen Flossen erstmal gründlich desinfiziert werden muss. Bei negativ getesteten Kontaktpersonen 1. Grades ist das virologisch vielleicht O.K., aber nicht bei "Superspreadern". Weiß ich, wie es dem Kunden oder der Kundin geht? Das geht mich ja auch nichts an. Ein echtes "Safe Taxi" gibt es so leider nicht.

Wer schon mal Taxi-EU-Fahrten gemacht hat, weiß, dass die Abwicklung leider nicht immer und überall reibugslos klappt. Ausgelegte Medikamentenpreise und Taxifahrt bei der Abrechnung zusammenzupacken bringt auch steuerrechtliche Schwierigkeiten mit sich. Interressant wäre nebenbei auch, wie der Berlkönig das bei den Fahrten mit Gesundheitspersonal in den letzten Monaten gehandhabt hat.

Um ein sicheres und, wie ich hinzufügen möchte, faires und sozial gerechtes Taxi zu gestalten, muss sich noch vieles ändern.

Erstmal muss ich versuchen, mich in den veränderten Alltagsbetrieb irgandwie einzufuchsen- ohne Fluggäste und Großveranstaltungen, dafür mit Trennschutz, Maskenpflicht für Fahrgäste, Desinfektionstüchern und einigem mehr.

Quelle der Artikel-Illustration: Wikimedias Commons
Lizenz: File is in the public domain in the United States because it was solely created by NASA.
Beschreibung: Expedition 51 Flight Engineer Jack Fischer of NASA gives his wife Elizabeth a kiss through glass while in quarantine, after having his Russian Sokol suit pressure checked in preparation for launch onboard the Soyuz MS-04 spacecraft on Thursday, April 20, 2017 at the Baikonur Cosmodrome in Kazakhstan.

Nachrichten

  • Aus eigener Erfahrung kann ich sagen,dass Berlkönig aus hygienischen Gründen sich bestmöglich und schnell auf die Zeit mit dem Virus eingestellt hat...Bargeldlose Zahlungsweise,Trennwand nach jeweils einer Sitzreihe,Lüftung,Reinigung...Desinfektionsmittel und Handschuhe für die Fahrer...Die Fragen,die sich aus meiner Sicht stellen, sind:Wie kam Berlkönig an den Auftrag?Wer hat ihn bezahlt?Wie sind die über 800!? Fahrer versichert,wenn sie auf Covid-Kontaktpersonen treffen?Macht es Sinn Mitarbeiter einer Klinik,die vorher auf sorgsam getrennten Intensivstationen Arbeiten,nach Dienstende gemeinsam im Berlkönig-Minibus auf Heimfahrt zu schicken?Hat Berlkönig im zweiten Lockdown erneut (und ohne Ausschreibung?!)diese Fahrten bekommen? In der Summe sollte es dann wohl um eine Millionen-Subvention für die amerikanischen Datensammlungen von ViaVan gehen...!?

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