Solidarität mit den Kolleginnen und Kollegen des Wombats Hostel

Angestellten des Wombats Hostel haben einen Betriebsrat gegründet und verteidigen ihre gesetzlich verbürgten Rechte. Deshalb beabsichtigt der Eigentümer die radikalste Waffe gegen Betriebsräte einzusetzen: Der Betrieb soll geschlossen werden. Die AG Taxi unterstützt den Kampf der Hostel-Belegschaft.


Am Freitag, den 17.5.2019 haben zahlreiche Unterstützer/inn/en gemeinsam mit den Mitarbeitern eine Kundgebung vor dem Hostel abgehalten. Dabei hat sich die AG Taxi solidarisch mit den Kolleginnen und Kollegen des Hostels erklärt. Der Redebeitrag erläutert die Gründe dafür.

Mehr zum Konflikt zwischen Belegschaft und Betreibern des Wombats Hostel
bei aktion ./. arbeitsunrecht e.V.

Solidaritätserklärung der AG Taxi bei Ver.di mit den Kolleginnen und Kollegen des Wombats Hostel in Berlin Mitte

Liebe Kolleginnen und Kollegen des Wombats Hostel,

ich überbringe Euch solidarische Grüße der Vertrauensleuteversammlung Taxi bei Ver.di.

Euer Kampf ist unser Kampf

Ihr befindet Euch mitten im Kampf gegen den Gegner, der auch unserer ist. Euch ist es gelungen, gegen alle Widerstände aus Betrieb und Politik einen Betriebsrat zu gründen und Eure Rechte zu verteidigen. Ihr seid das Vorbild, das allen angestellten Taxifahrerinnen und -fahrern zeigt, dass das geht. Ihr tretet trotz Mobbing und Union-Bashing für Eure und damit auch für unsere Rechte ein. Dafür sind wir Euch dankbar, Euer Kampf hilft uns. In den 3200 Berliner Taxibetrieben, die 8300 Fahrzeuge betreiben, gibt noch keinen einzigen Betriebsrat. Die Kollegen sind sprachlos und machtlos, weil sie keine betriebliche Mitarbeitervertretung haben. Ihr zeigt allen, wie man das ändert.

Privatisierungspolitik

Berliner Taxifahrerinnen und Taxifahrer verdienen inzwischen nur noch 4,50 Euro pro Stunde. Das liegt an der illegalen Konkurrenz durch Mietwagen-unternehmen, es liegt vor allem jedoch an Taxiunternehmern, Bundes- und Stadtregierung, die zusammen mit milliardenschweren Konzernen die Abschaffung der öffentlichen Daseins-vorsorge betreiben. Um das durch-zusetzen, müssen unsere Rechte geschleift werden. Der öffentliche Nahverkehr soll, wenn es nach denen geht, vollkommen privatisiert werden. Berlkönig und Uber sind dabei das zu verwirklichen. Die von der Grünen Verkehrssenatorin betriebene Teilausschreibung des S-Bahn-Betriebs bezweckt das Gleiche.

Abschaffung von Arbeitnehmerrechten

Mit der Erlaubnis von Leiharbeit und Befristung, mit der Abschaffung von Arbeitslosengeld und Arbeitslosenhilfe und der Einführung des infamen Hartz-IV-Systems haben Sozialdemokraten und Grüne ein Klima der Angst in den Betrieben geschaffen. Seitdem verliert die arbeitende Bevölkerung in Deutschland jedes Jahr an Kaufkraft. Wohlstand erreicht man durch Arbeit schon lange nicht mehr.

Aber es gibt noch Luft nach unten, dafür sorgen Schäuble, Scholz und Scheuer. Sie ermöglichen 3000 Mietwagen mit Fahrer, die in Berlin als illegale Taxis unterwegs sind. In den Mietwagen gibt es überhaupt keine Aufzeichnung der Arbeitszeiten, gefahrenen Kilometer und Umsätze.

Im Taxi sieht es nicht viel besser aus. Wartezeiten am Halteplatz werden vollautomatisch zu Pausenzeiten erklärt und in die Lohnabrechnung übertragen. So zahlen die Unternehmen nur Lohn für einen Bruchteil der Arbeitszeit. Für die Kollegen am Steuer ist es schwer, zu beweisen, dass sie weniger als den Mindestlohn erhalten. Sie haben Angst vor Schikanen bis hin zur Entlassung.

4,50 Euro pro Stunde, das ist der Lohn der dabei rauskommt.

Worum es uns geht

Ihr, liebe Kolleginnen und Kollegen vom Wombats Hostel, macht uns Mut, für bessere Bezahlung und die Durchsetzung unserer gesetzlichen Rechte zu kämpfen.

Unternehmen, die den Mindestlohn nicht zahlen, sind illegal. Sie müssen zur Zahlung armutsfester Löhne gezwungen oder geschlossen werden.

Wir fordern, dass die Stadt Berlin aufhört, uns alle als billige Knechte der Tourismusindustrie zu behandeln. Diese Industrie stellt die wirklich gesellschaftsschädlichen kriminellen Clans. Man nennt sie Konzerne, Unternehmens-gruppen oder Verbände. Gegen die müssen Volksvertreter und Behörden vorgehen.

Unsere Forderungen an die Politik

  • Wir fordern, dass Gewerbeaufsicht, Zoll, Arbeitsgerichte und Senatsstellen endlich dafür sorgen, dass man uns nicht mehr brutal ausbeuten kann.
  • Wir brauchen feste Ansprechpartner in den Behörden, die dafür sorgen, dass wir gehört werden und unseren Beschwerden aktiv nachgegangen wird.
  • Wir brauchen eine zentrale Meldestelle für Verstöße von Unternehmen gegen Arbeits- und Sozialstandards.
  • Wir brauchen eine Polizei, eine Justiz und ein Landesamt für Arbeitsschutz, die konsequent vorgehen gegen unternehmerische Schikane und kleinteiligen Terrorismus, die unsere Gesundheit gefährden.
  • In der ganzen Tourismus- und Dienstleistungsbranche muß Schluß sein mit der Ausbeutung von kriminell schlecht bezahlten Wegwerfarbeitern.

Euer Kampf geht alle an

Dafür stehen wir hier alle zusammen ein.

Danke, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Es lebe die Solidarität!

17.5.2019